Sternbilder

Sternbilder

Sterne, Löcher im Fußboden der Götter, haben die Menschen schon immer fasziniert. Und schon lange versuchen die Menschen Muster, Gestalten oder Gegenstände in diesen Sterne-Anordnungen zu erkennen und zu visuellen Einheiten zusammenzufassen. Das Ergebnis dieser Mustererkennung am Himmel sind die Sternbilder (auch Konstellationen), die der Mensch am Himmel zu entdecken meint. Solche Sternbilder, das Anordnen der Sterne in Gruppen, denen einen Sinn mitgegeben wird, hilft auch sich am Sternenhimmel zu orientieren. Sternbilder sind dabei keine Erfindung des Mittelalters, des Altertums oder der Antike, schon in der Jungsteinzeit hat man in den Sternen Figuren, Tiere oder auch Gegenstände gesehen.

Sternzeichen Karte von 1670
Sternzeichen Karte von 1670. Frederik de Wit.

 

Häufig werden in den Sternbildern Tiere (Stier, Widder, Schlange, Großer Bär, Kleiner Bär, Schwan), mythische Menschen (Herkules) , Götter oder auch mystische Kreaturen gesehen. Auch Gegenstände oder Geräte (Waage) waren und sind möglich.

Sternbilder halfen bei der Orientierung

Ein Beispiel dafür, wie Sternbilder uns auch die Orientierung am Sternhimmel erleichtern können ist das Sternbild des Großen Wagen (oder auch des Großen Bären). Hier gibt es zwei Sterne am Kasten des Wagens, die dabei helfen den Polarstern (Nordstern) am Himmel zu finden.

Aber Sternbilder helfen uns nicht nur den Polarstern zu finden oder mit dem Kreuz des Südens den Weg nicht zu verlieren. Auch bei Himmelsereignissen helfen sie uns bei der Ortsbestimmung. 2022 wird einen Sternenexplosion, eine Rote Nova erwartet, wenn darüber berichtet wird, heißt es meist, dass diese Kollision zweier Sterne im Sternbild Schwan zu sehen sein wird. Zwar sind keine Sterne des Sternbilds direkt betroffen, aber dennoch ist es durch die Einteilung des Himmels in klar voneinander abgegrenzte Sternbild-Gruppen leicht möglich, den Ort der zu erwartenden Sternenexplosion zumindest ungefähr zu bestimmen.

Zuordnung von Sternen zu Sternbildern sagt nichts über die Entfernung zu uns aus

Nur weil wir Menschen Sterne, die für uns aus am Himmel nahe zusammen stehen in Gruppen zusammenfassen heißt das nicht, dass diese Sterne wirklich benachbart sind im Universum. Zwei Sterne, die völlig unterschiedlichen Sternbildern angehören, können näher zusammenliegen als zwei Sterne, die von uns aus gesehen direkte Nachbarn sind und auch noch zu einem Sternbild gehören.

Sternbilder der Antike und des Altertums

Es gibt 48 klassische Sternbilder, die bereits im antiken Griechenland bekannt waren. Aber auch im alten Babylon und in Altägypten gab es Tierkreiszeichen, die eben ein Sonderfall der Sternzeichen sind. Die Festlegung auf 48 Sternzeichen durch die alten Griechen war eine Erweiterung der bisher bekannten.

Tierkreiszeichen

Die uns bekannten zwölf Tierkreiszeichen haben ihre Ursprünge wohl in der babylonischen oder chaldäischen Astronomie aus der Zeit um 400 v. Chr.

Subjektive Bilder in unseren Köpfen

Sternbilder sind aber immer nur subjektive Bilder am Himmel. Der eine sieht in einer Gruppe von Sternen einen Waagen, für den anderen ist diese Konstellation Teil eines Bären. In den USA ist dieses Sternbild als Big Dipper (Großer Löffel) bekannt. Und was der eine für eine gute Idee für ein Sternbild hält, kann jemand anders schon wieder stören. So versuchte ein Julius Schiller (Jurist und Astronom, lebte in Augsburg) im Jahr 1627 einen christlichen Sternatlas populär zu machen (Coelum Stellatum Christanum), der die heidnischen Sternbilder durch Figuren der Bibel und Heilige ersetzen sollte. Aus den uns so bekannten Tierkreiszeichen machte Julius Schiller dabei die zwölf Apostel. Aus dem Kleinen Bären den Erzengel Michale und aus dem Sternbild Drache die Unschuldigen Kinder. Es war nicht der einzige Versuch christliche Bilder an den Himmel zu bringen.

Christliche Sternbilder an unserem Himmel

Wobei es immerhin zwei Sternbilder gibt, die sich auf eine christliche Tradition berufen können. So kam das Sternbild Einhorn erst im 17. Jahrhundert in den Sternkarten dazu, das Einhorn findet sich auch in der Bibel (zumindest in der einen oder anderen Übersetzung). Und dann gibt es noch das Kreuz des Südens, ein kleines markantes Sternbild des Südhimmels, das auch vier hellen Sternen gebildet wird. Auch das Kreuz des Südens ist keines der 48 klassischen Sternbilder der Antike. Zwar konnte das Kreuz des Südens in der Antike vom Mittelmeerraum aus noch gesehen werden, damals ordnete man es aber dem Zentauren zu. Durch die Präzessionsbewegung der Erde hat sich die sichtbare Position des Sternbildes inzwischen nach Süden verschoben. Im 16. Jahrhundert wurden dann wieder Seefahrer aus Europa auf das markante Kreuz aufmerksam. Und diese sahen darin das Kreuz des christlichen Glaubens. Ein weiteres Sternbild, das zumindest als zweite Bezeichnung Kreuz genannt wird, ist das Kreuz des Nordens oder das Nördliche Kreuz. Dabei handelt es sich aber eigentlich um das Sternbild Schwan.

Offiziell anerkannte Sternbilder

Weitere Sternzeichen wurden zwischen 1600 und 1800 eingeführt. Der Zeitraum ist dabei nicht ganz zufällig, schließlich wurden viele Sternbilder von Europäern benannt und diese machten sich erst im 15. Jahrhundert auf, erst den Weg um Afrika herum nach China zu entdecken und am Ende dieses Jahrhunderts auch den Seeweg über den Atlantik in Richtung Amerika. Von der südlichen Hemisphäre aus sieht man dann aber andere Sternzeichen als von unserer Nordhalbkugel.

Heute haben wir 88 offiziell anerkannte Sternbilder am Himmel. Diese werden zumindest von der IAU (Internationale astronomische Union) als Sternbilder anerkannt. Bei diesen modernen Sternbildern handelt es sich um formal definierte Regionen des Himmels, insgesamt decken diese die gesamte Himmelssphäre ab.

Astrognosie

Die Astrognosie ist das Fachgebiet der Astronomie, das sich mit den Sternbildern befasst. Wobei die Übersetzung für Astrognosie Sternenkenntnis lautet. Bei der Astrognosie beschäftigt man sich mit den Himmelskörpern und Asterismen (Sternbilder) am Sternhimmel, die man ohne Hilfsmittel nur mit bloßem Auge sehen kann. Durch die Ausweitung auf Himmelskörper fallen darunter auch Planeten. Zum Betätigungsfeld der Astrognosie gehört zum Beispiel auch die Darstellung der Sternbildgrenzen auf Sternkarten und durch Projektion des Sternhimmels in einem Planetarium.

Die Namen der Sternbilder sind insbesondere für die systematische Benennung von Sternen mit einem griechischen Buchstaben (Alpha, Beta, Gamma, Delta, …) und Sternbild (lateinische Bezeichnung) von Bedeutung; z. B. α-Centauri.